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2020 – ein echtes Seuchenjahr für den Tourismus

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Die Corona Pandemie hat eine Schneise der Zerstörung in der Reisebranche hinterlassen.

Heute vor einem Jahr sah noch alles ganz normal aus. Zwar hatte man vereinzelt etwas von einer neuen Krankheit und massenhaften Infektionen in China gehört, doch eine Bedrohung für unser Leben konnte und wollte niemand darin erkennen. So starteten wir alle mehr oder weniger hoffnungsvoll ins neue Jahr 2020. Dass Corona das komplette Leben überall auf der Welt auf den Kopf stellen würde, konnte sich da noch niemand vorstellen.

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Das Reisegeschäft lief ebenfalls auf Hochtouren. Wie in jedem Jahr buchten vor allem viele Familien in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ihren Sommerurlaub, um die attraktiven Frühbucher-Rabatte* mitzunehmen. Dass der Urlaub gar nicht oder nur unter total anderen Umständen angetreten werden kann, war da noch nicht vorstellbar.

Urlaub 2020

Im März traf dann die Corona Pandemie auch Europa und Deutschland mit voller Wucht. Deutschland ging in einen Shutdown, der sich in einigen Teilen des öffentlichen Lebens bis fast zum Sommer hinzog. Viele Reisen, die bis dahin stattfinden sollten, mussten abgesagt werden. Nicht zuletzt auch, weil sich die Reiseländer selbst in einen Shutdown befanden oder weil die Infektionsraten vor Ort im Urlaubsland so hoch waren, dass das Auswärtige Amt Reisewarnungen aussprechen musste. Damit konnten die Reisen kostenfrei storniert oder umgebucht werden. Wer trotzdem verreiste, der musste strenge Vorgaben bei der Rückreise und Einreise in Deutschland beachten, mehrtägige Quarantäne war fast immer die Regel.

Und damit war der Stress noch nicht vorbei, denn viele (verhinderten) Urlauber durften sich zudem auch noch – entgegen vielerlei Versprechen –  mit bürokratischen Dingen herumschlagen, weil Fluggesellschaften und einzelne Reiseunternehmen nur ungern das Geld für angezahlte oder komplett bezahlte Reisen wieder an die Kunden auszahlten. Die Reisebranche insgesamt hat dadurch einiges an Image eingebüßt.

Doch dass ist nur ein Problem von vielen für die Branche. Allein die deutschen Reiseveranstalter mussten im Jahr 2020 Umsatzausfälle von 28 Milliarden Euro hinnehmen. Das ist ein Umsatzrückgang gegenüber 2019 von unglaublichen 80 Prozent. Das hat es in der Nachkriegsgeschichte so noch nie gegeben und das wird garantiert noch weitreichende Auswirkungen haben. Zwar wurden hierzulande vor allem die großen Anbieter mit Steuergeld in Milliardenhöhe gepampert, allein TUI bekam 5 Mrd. € vom Staat und den Eigentümern – doch die kleinen Anbieter wurden dabei wie so oft vergessen. Das Sterben der Reisebüros, kleinen Reiseveranstalter und Busunternehmen wird sich wohl erst in 2021 richtig zeigen. Über zehn Prozent der rund 11.000 Reisebüros in Deutschland sind nach Einschätzung von Experten in akuter Gefahr.

Als wäre das nicht verheerend genug, wurde dabei noch gar nicht die Lage vor Ort im Reiseland betrachtet. Wo sollen denn die vielen Reisesüchtigen hinfahren, wenn die Hotels, Restaurants und Reiseunternehmen vor Ort auf Mallorca*, in der Türkei oder Italien nicht mehr existieren? Auch viele Kreuzfahrt-Reedereien, eine Branche, die in den letzten von einem Boom zum nächsten stürmte, haben mittlerweile die weiße Fahne gehisst.

Corona Reisejahr 2020 | Foto: Alexandra_Koch, pixabay.vom, Pixabay License

Corona Reisejahr 2020 | Foto: Alexandra_Koch, pixabay.vom, Pixabay License

Reisejahr 2021

Sollte das Reisejahr 2021 nicht der absolute Hit werden, dann werden große Teil der Reisebranche weltweit am Ende des Jahres nicht mehr existieren. Doch leider sieht es nicht nach einem Boom-Jahr aus, in dem die Verluste und entgangenen Einnahmen aus dem Vorjahr wieder ausgeglichen werden können. Zwar konnten tatsächlich die ersten Impfungen gegen das Coronavirus starten – was tatsächlich eine echte Sensation ist – doch bis eine Impfrate von 80 Prozent in der Gesamtbevölkerung erreicht sein wird, wird wohl mindestens bis zum Ende des kommenden Sommers dauern. Und das sind nur die Prognosen für Europa und Deutschland. In anderen Teilen der Welt wird es wohl nicht so schnell gehen.

Doch ohne eine sogenannte Herdenimmunität der Menschen wird das Coronavirus nicht einzudämmen sein. Damit ist auch das Reisen wie vor der Pandemie nicht möglich. Was nützt eine durchgeimpfte Bevölkerung in Deutschland, wenn im Urlaubsland das Virus weiterhin fast ungebremst grassieren kann?

Deshalb wird das Reisejahr 2021 wohl sicherlich etwas normaler als 2020 ablaufen, von alten Bedingungen werden wir in diesem Jahr aber noch meilenweit entfernt bleiben. Die Branche selbst rechnet für dieses Jahr nur mit Umsätzen von 50 bis 60 Prozent des Reisejahres 2019, und das auch nur, wenn die Impfungen wie vorgesehen und ohne größere Probleme durchgezogen werden können.

Das bedeutet aber auch, dass viele Reiseveranstalter, Reiseunternehmen und Reisebüros das Jahr nicht überleben werden. Zwei Jahre mehr oder weniger Totalausfall der Einnahmen kann keine Firma überleben, zumal sie auf großzügige Hilfe vom Staat in der Regel nicht hoffen kann. Das wird einen echten Schock für die gesamte Branche bedeuten.

Man wird sehen, wer das Jahr 2021 wirtschaftlich überleben kann und deshalb auf das Reiseboomjahr 2022 hoffen darf. Denn eins ist schon heute klar: Die Reiselust der Deutschen* ist ungebrochen, und sobald es wieder möglich ist, werden die Deutschen auch wieder verreisen.

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"Liebst du dein Kind? So schicke es auf Reisen." (Chinesisches Sprichwort)